10. Juli 2018

Das Modellprojekt „Jugendmigrationsdienst im Quartier“ in Völklingen: „Zusammenhalt stärken“


Er ist nicht zu übersehen: Auf dem Freigelände hinter der Versöhnungskirche in Völklingen steht seit einigen Monaten ein bunter Bauwagen. Dienstags und freitags herrscht dort reges Treiben, denn dann ist das Tausch- und Verschenkregal des "Jugendmigrationsdienstes im Quartier" geöffnet.

 Jeder kann kommen, Spiele, Bücher oder Kleidung mitbringen oder mitnehmen. Ein Grundstock aus dem Sozialkaufhaus ist bereits vorhanden. Gleich nebenan, im Café Valz,  wird jugendgemäße Literatur zur politischen Bildung ausgeliehen. 

 
Die nördliche Innenstadt von Völklingen ist einer von 16 Modell-Standorten in Deutschland mit einem  „Jugendmigrationsdienst im Quartier“. In dem Stadtteil haben mehr als 30 Prozent der Menschen einen Migrationshintergrund. Das Projekt will die Lebenssituation und die Lebenswelten der Bewohnerinnen und Bewohner zwischen 12 und 27 Jahren verbessern sowie das Zusammenleben und die Integration fördern.  „Wir sind sehr froh, dass es gelungen ist, das Modellprojekt für vier Jahre nach Völklingen zu holen“, sagte Oberbürgermeisterin Christiane Blatt. „So steigen die Startchancen der jungen Menschen ins Leben.“


Das Wohnumfeld im Blick 

„Mit diesem Angebot, das auch das Wohnumfeld der jungen Menschen in den Blick nimmt, wollen wir den Zusammenhalt in benachteiligten Wohnquartieren stärken, vor allem zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund“, betonte Doris Lamsfuß aus dem saarländischen Ministerium für Inneres, Bauen und Sport, Referat Stadtentwicklung und Städtebauförderung. Ein wichtiger Aspekt sei auch die Aktivierung und Beteiligung der Bewohner bei der Gestaltung des Quartiers. Das Förderprogramm ist ein Baustein der ressortübergreifenden Zusammenarbeit des Bundesbau- und Bundesfamilienministeriums für benachteiligte Quartiere. Seit 2017 stellt der Bund jährlich insgesamt 10 Mio. Euro für die modellhafte Förderung ressortübergreifender Maßnahmen zur Verfügung, die in sozial benachteiligten Quartieren einen Beitrag für mehr Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten. Die Maßnahmen ergänzen die baulich-investiven und städtebaulichen Maßnahmen des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“.


 „Für Jugendliche mit einem Migrationshintergrund ist es nicht einfach, einen Platz in unserer Gesellschaft zu finden“, sagte Diakoniepfarrer Udo Blank Deshalb seien die Jugendmigrationsdienste schon seit vielen Jahren fester Bestandteil der Arbeit der Diakonie Saar. „Ziel ist es, Chancengleichheit  mit einheimischen Jugendlichen herzustellen, etwa durch Beratung, Bildungs- und Freizeitangebote“, so Blank.   

 

Ludwig Heil, Mitarbeiter im Projekt, arbeitet eng mit den anderen Akteuren im Stadtteil zusammen. Dazu gehören das Stadtteilmanagement der Stadt Völklingen, das Jugendzentrum, Schulen, Migrantenorganisationen und die Sportvereine sowie das Mehrgenerationenhaus und das Völklinger Projekt BIWAQ – „Besser leben und arbeiten im Quartier“ der Diakonie Saar.


Zahlreiche Aktivitäten 

Neben den Aktivitäten rund um den Bauwagen gibt es einen Jonglier-Treff und eine Volleyball AG. In den Ferien steht mit Jugendlichen aus dem Quartier ein zweitägiges Waldprojekt im Warndt an und Ausflüge. Demnächst starten ein offener Spieletreff, ein Repaircafé für Kinder, eine Ausbildungsbörse und ein Tanzprojekt mit einem Choreografen, der selbst einen Migrationshintergrund hat. Am 8. September findet ein Stadtteilfest rund um die Versöhnungskirche statt.

 Ein weiterer Baustein ist der Aufbau eines Jugendquartierrats. Jugendliche sollen ermuntert werden, sich bei der Gestaltung desWohnumfeldes einzubringen, etwa der Grünfläche rund um die Versöhnungskirche. Ein erstes Treffen fand bereits im Stadtteiltreff statt. Unter anderem wünschen sich die Jugendlichen einen „Strand an der Saar“ beim Kanuclub und  ein Beachvolleyballfeld im Quartier.    





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