19. Oktober 2021

Gemeinsam in der Sorge für die anvertrauten Menschen


Pflege in Dudweiler

Seelsorger der beiden Kirchengemeinden, Verantwortliche der Pflegedienste und der Offenen Angebote für ältere oder erkrankte Menschen in Dudweiler kamen zum gegenseitigen Kennenlernen und Erfahrungsaustausch zusammen. Das Treffen fand im Saal des Oberlinhauses der evangelischen Kirchengemeinde statt und damit direkt neben dem Gebäude der früheren Ökumenischen Sozialstation, „die als eine Geburtsstätte der organisierten Pflege in Dudweiler angesehen werden kann“, wie Pfarrer Heiko Poersch in seinen Begrüßungsworten hervorhob.


Neben der ambulanten Pflege, die die Menschen zu Hause aufsucht, findet sich in Dudweiler eine Vielzahl anderer, entlastender Angebote für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen. 3 von 4 ältere, pflegebedürftige Menschen können noch zu Hause leben. Sie werden von ihren Angehörigen oder nahestehenden Menschen versorgt und betreut. Für jeden 7. ist dies nur möglich aufgrund der Unterstützung durch die professionellen Pflegedienste. Diese helfen bei der Grundversorgung, Medikamentengabe, medizinischen Behandlungen und im Haushalt. Die Art und der Umfang der Unterstützung ist abhängig vom jeweiligen, anerkannten Pflegegrad.
Einzelne Pflegedienste in Dudweiler bieten eine besondere Demenzbetreuung an. Ein Dienstleister kümmert sich um psychisch erkrankte Menschen und ermöglicht ihnen ein Leben in der eigenen Wohnung. In Zusammenarbeit mit ambulanten Hospizdiensten kann auch Schwererkrankten und Sterbenden einen Aufenthalt zu Hause ermöglicht werden. Die kirchlichen Seelsorger bieten sich ebenfalls an, in Krisensituationen zu begleiten und für die Menschen da zu sein. Nach dem Rückgang der Corona-Pandemie werden wieder vermehrt Plätze in Altenheimen angefragt, zumal für einen Aufenthalt in Kurzzeitpflege. Davon sind auch jüngere Menschen betroffen, die etwa nach einem Unfall oder einer Erkrankung der pflegerischen Unterstützung bedürfen. Zugleich ist wieder das Angebot der Tagesbetreuung möglich. Ein Anbieter betreut bis zu 20 Tagesgäste aus der näheren Umgebung. In der Einrichtung finden die Menschen eine sinnvolle Beschäftigung und eine feste Tagesstruktur.


Ein Rückblick auf die Erfahrungen in der Corona-Zeit zeigt, „dass ältere Menschen oftmals von Isolation betroffen sind und sich einsam fühlen. Jeder zweite wohnt allein in seiner Wohnung. Wir möchten gerne mehr auf die Menschen zu Hause zugehen und uns ihnen als Seelsorger anbieten“, erläuterte Diakon Gerd Fehrenbach von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien. Besuche zu den Geburtstagen, Gespräch und Begleitung in existentiellen Fragen, Gebet und Hauskommunion, Segnung und Krankensalbung wollen Bestärkung im Alltag schenken und halten die Verbundenheit mit der Kirchengemeinde aufrecht.
Angehörige, die ein älteres oder pflegebedürftiges Familienmitglied betreuen, leisten einen großen menschlichen Einsatz, oft rund um die Uhr und über Jahre hinweg. „Der Fürsorge, die hier geleistet wird, gebührt unsere größte Anerkennung und Wertschätzung“, bringt Diakon Fehrenbach zum Ausdruck. Doch die Sorge für die pflegebedürftigen Familienmitglieder kann körperlich und seelisch aufzehren. In Angehörigengruppen ist es möglich, sich mit anderen Betroffenen über diese belastende Situation auszutauschen.


Einzelne Einrichtungen bieten in Dudweiler Mitte wieder einen Café-Treff und einen Begegnungsort an. Die Angebote sind für die Betroffenen bewusst niederschwellig gehalten; sie ermöglichen den Angehörigen etwas Entlastung unter der Woche. Sie stehen grundsätzlich für alle offen. So ergeben sich Kontakte und können Information oder Beratung vermittelt werden.
Hinzukommen die Netzwerke „Gute Nachbarschaft“, die durch den Regionalverband angestoßen wurden, sich an die Altersgruppe Ü60 richten und von Ehrenamtlichen, meist selbst im Seniorenalter, geleitet werden. Das Programm reicht von Wanderungen, Theaterbesuch bis zu hinzu gemütlichem Plausch bei Kaffee und Kuchen. Die Ortsvereine der AWO öffnen ebenso wieder ihre Begegnungsstätten und die Kleiderkammer.
Auch die Treffen der Frauengemeinschaften und der Chöre in den Kirchengemeinden leben wieder auf. Viele der meist älteren Mitglieder erfahren hier Gemeinschaft und Beziehungen, die ein Leben lang tragen und im Alter eine wertvolle Stütze darstellen.
Frau Katja Becker vom Pflegestützpunkt Ost im Regionalverband Saarbrücken ist zuständig für Dudweiler und bietet Beratung in finanziellen und organisatorischen Fragen der häuslichen Pflege an. Sie kommt dazu auch ins Haus, vermittelt hingegen keine Pflegeleistungen. Dazu soll der direkte Kontakt mit den örtlichen Pflegeanbietern gesucht werden. Frau Becker ging auf Grenzsituationen ein, die sich bei der Pflege in der Familie ergeben. Zum einen spielt die vorherrschende Altersarmut eine Rolle. Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen, fällt schwer, weil dies auch einen finanziellen Beitrag der Kinder mit sich bringt. Aus dem gleichen Grund wird oft auch der Wechsel in ein Pflegeheim hinausgeschoben. Vielen fällt es nicht leicht, Hilfe zu beanspruchen und anzunehmen. So kommt es durch jahrelange Belastung zu Erschöpfung und Überforderung, die sich manchmal in Übergriffen oder versteckter Gewalt ausdrücken kann. Eine Beratung über Entlastungsangebote und eine Unterstützung der Angehörigen kann helfen, solche bedrängenden Situationen aufzufangen.
Allzu lange und allzu oft wurden „Pflege“ und „Seelsorge“ im Gesundheitssystem als zwei verschiedene Welten betrachtet. Doch, wo der Mensch im Mittelpunkt steht, zeigt sich schnell: Die Sorge um die Seele gehört untrennbar zu einer kompetenten Pflege und ebenso ist die Pflege Teil einer umfassenden Seelsorge. „Es ist viel wert, sich zu kennen und umeinander zu wissen; dies ermöglicht kurze Wege und schnelle Kontakte, wo es nötig ist“, resümierte eine der Teilnehmerinnen das erste Treffen dieser Art in Dudweiler. Auch die Sorgen der professionellen Pflegdienstleister fanden Gehör. Neben der Bürokratisierung des Gesundheitswesens fehlen vor allem Menschen, die im Pflegeberuf mitarbeiten wollen - so wie bei denjenigen unter den Anwesenden, für die die Pflegetätigkeit noch eine Berufung darstellt.
Das Treffen der verantwortlichen Seelsorger der Kirchengemeinden und derer, die die Pflege und Betreuung sowie Begegnungs- bzw. Freizeitangebote vor Ort ermöglichen, führte zum Übereinkommen, wie wichtig ein gelingendes Miteinander von Pflege und Seelsorge im Sinne der Menschen in Dudweiler ist. GeFe
Information


Offene Angebote:
- Café Vergissmeinnicht, Theodor-Storm-Str. 11, dienstags, 14:30-17:00h. - Offener Treff, Dudogalerie, Am Markt 1, montags 9-12h.
- AWO, Ortsvereine, Kontakt: Sabine Zapp, Tel. 0681/ 85 78 40
- Netzwerk Gute Nachbarschaft, Herrensohr. Nä. Treffen im Gasthaus Schlössle am Di., 26.10., 15:00h. Kontakt: Gabriele Ungers, Tel. 0160/ 8 13 61 25
- Netzwerk Gute Nachbarschaft Dudw.-Nord, Kontakt: Peter Weiland, Tel. 017/ 5 26 39 15 - Treffen der Frauengemeinschaften und Kirchenchöre, s. unter Seelsorge Sozialberatung:
- Gemeinwesenarbeit (GWA) Dudw.-Mitte/ Diakonie Saar, Kontakt: Tel. 06897/ 77 80 130 - DRK, Familienunterstützender Dienst, Theodor-Storm-Str. 11, Tel. 06897/ 9 65 98 34 - Pflegestützpunkt Regionalverband Saarbrücken-Ost, Katja Becker, Tel. 06897/ 9 24 67 984 Seelsorge:
- Evangelische Kirchengemeinde Dudweiler, Kontakt: Gemeindebüro Tel. 06897/ 95 20 80 - Katholische Kirchengemeinde St. Marien Saarbrücken (Dudweiler), Kontakt: Pfarrbüro Tel. 06897/ 7 22 40

 





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