01. August 2022

Saarländische Kirchengemeinde begeht 450-jähriges Gedenken an Bartholomäusnacht mit Veranstaltungsprogramm


Einst wurde der Gemeindeteil Ludweiler der Evangelischen Kirchengemeinde Völklingen-Warndt von Hugenotten, französischen Protestanten, gegründet. Sie waren vor Verfolgungen Ende des 16. Jahrhunderts ins Grenzgebiet geflüchtet. Die Kirchengemeinde gedenkt mit einem Veranstaltungsprogramm.

Heute leben Katholiken und Protestanten, Deutsche und Franzosen, im Grenzgebiet zumeist in freundschaftlichem Miteinander. Das sah in der Vergangenheit lange ganz anders aus. In der sogenannten „Bartholomäusnacht“ vom 23. auf den 24. August 1572 wurden ins Paris tausende französische Protestanten (Hugenotten) ermordet. Das Pogrom ging auch als „Pariser Bluthochzeit“ in die Geschichte ein. Viele Hugenotten flohen vor den Verfolgungen in benachbarte Territorien, so auch in den Warndt, der damals zur Grafschaft Nassau-Saarbrücken gehörte.

Anlass genug für die Evangelische Kirchengemeinde Völklingen-Warndt, 450 Jahre nach der Bartholomäusnacht das Gedenkjahr im August/September mit einem einmonatigen Veranstaltungsprogramm zu begehen.

„Wir möchten an die Ursprünge unserer Kirchengemeinde und unserer hugenottischen Tradition erinnern“, sagt Jugendmitarbeiterin Annette Vollmer, eine der Initiatorinnen des Programms. Denn es waren Hugenotten, Flüchtlinge aus Frankreich, die um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert in Ludweiler die reformierte Kirchengemeinde gründeten. Zunächst wurden sogar die Gottesdienste in französischer Sprache gefeiert. Inzwischen ist Ludweiler Teil einer evangelischen Großgemeinde, doch die Besonderheiten der calvinistischen Prägung sind bis heute sichtbar, das achtspitzige Hugenottenkreuz weithin präsent.

Wichtig sei es dem Organisationsteam, dass im Rahmen des Monats zur Bartholomäusnacht nicht nur auf die Vergangenheit geschaut, sondern auch die Gegenwart in den Blick genommen werde, betont Vollmer. Deshalb habe man sich auch zeitgemäße Angebote überlegt sowie solche, die sich besonders an jüngere Leute richten wie ein Planspiel, bei dem die Teilnehmer:innen die Reformation nachspielen können (23. September). Am Sonntag, 28. August, sind Interessierte eingeladen, in Kleingruppen an einer Geocaching-Rallye über den Hugenottenwanderweg teilzunehmen und einen Teil des Weges nachzuvollziehen, den die Hugenotten im 17. Jahrhundert auf ihrer Flucht genommen haben. Mit den Schnittstellen von Kirche und Staat am Beispiel der Kirchensteuer beschäftigt sich eine Podiumsdiskussion am Donnerstag, 25. August, in der Hugenottenkirche. Auch ein Kinoabend (2. September), ein „Hugenotten-Dinner“ (17. September), eine Studienfahrt nach Paris (10. September) sowie mehrere Vorträge sind Teil des umfangreichen Veranstaltungskalenders.

Das Programm beginnt mit einem ökumenischen und grenzüberschreitenden Gottesdienst am Dienstag, 23. August, um 18.30 Uhr in der Hugenottenkirche Ludweiler (Völklinger Straße 90). Die Predigt werden Pfarrer Patrik Altmeyer (Kth. Pfarrei Heilig Kreuz im Warndt), Pastorin Christiane Puzenat von der französischen Partnergemeinde Paroisse de Courcelles-Chaussy und Diakonin Annette Vollmer (Kirchengemeinde Völklingen-Warndt) gemeinsam halten.

 

Das Veranstaltungsprogramm im Überblick:

Dienstag, 23. August, 18.30 Uhr, Hugenottenkirche (Völklinger Straße 90): Ökumenischer Gedenkgottesdienst anlässlich des 450. Jahrestages der Bartholomäusnacht, anschließend Umtrunk.

Mittwoch, 24. August, 18 Uhr, Ludweiler, Alter Friedhof (Eingang Goethestraße 35): „KulTour“ des kirche:mobils zur Bartholomäusnacht, anschließend Umtrunk.

Donnerstag, 25. August, 18.30 Uhr, Hugenottenkirche (Völklinger Straße 90): Podiumsdiskussion „Hey Kirche, was machst du mit meinen Kirchensteuern?“, u.a. mit Superintendent Christian Weyer (Vorsitzender des Haushaltsausschusses der Evangelischen Kirche in Deutschland).

Sonntag, 28. August, ab 14 Uhr, Treffpunkt: Warndtweiher (Karlsbrunner Weg): Geocaching auf dem Hugenottenwanderweg in Kleingruppen (gestaffelte Startzeiten), mit Voranmeldung (auch kurzfristig möglich): Mail: annette.vollmer@ekir.de; Mobil: 0176-231 74 290.

Mittwoch, 31. August, 19 Uhr, Hugenottenkirche, Vortrag von Nick Henkel: „Von Wittenberg bis Fontainbleau“ zu Hintergründen der Reformation, Hugenotten und Ludweiler.

Freitag, 2. September, 18 Uhr, Hugenottenkirche: Kinoabend „Flucht im Namen Gottes“, Eintritt frei.

Samstag, 10. September, 9-21 Uhr: Studienfahrt „Auf den Spuren der Hugenotten“ nach Paris, in Kooperation mit der Evangelischen Akademie im Saarland, Kostenbeitrag 120 Euro (inkl. Fahrt, Führungen). Anmeldung bis zum 21. August bei der Akademie: Tel. 06898-1690755.

Sonntag, 11. September, 14-16 Uhr, Hugenottenkirche: Offene Kirche mit Führungen, einschließlich Kirchturmführung.

Mittwoch, 14. September, 19 Uhr, Hugenottenkirche: Vortrag von Alfred Metz „Die Barthomoläusnacht 1572“.

Samstag, 17. September, 18 Uhr, Johannes-Calvin-Haus (Völklinger Straße 90): Hugenotten-Dinner mit Sektempfang und 3-Gänge-Menü. Karten im Gemeindebüro (Vorbestellung) oder an der Abendkasse zu 15 Euro pro Person. Kontakt Gemeindebüro: Mail: voelklingen-warndt@ekir.de, Tel. 06898-45 41.

Freitag, 23. September, 17-22 Uhr, Johannes-Calvin-Haus (Völklinger Straße 90): Reformations-Planspiel für Jugendliche ab 13 Jahren und junge Erwachsene.

Sonntag, 25. September, 15 Uhr, Hugenottenkirche: Gottesdienst „Dennoch ist er unser Heiland“ mit Prof- Dr. Georg Plasger (Mitglied im Moderamen (Vorstand) des Reformierten Bundes).





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